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Die Stadtältesten der Großen (Kaufmanns-) Gilde
zu Libau in Kurland 1783 - 1817

Vorbemerkungen (Seite1)

Libau, das heutige lettische Liepaja, war eine bedeutende baltische See- und Handelsstadt, deren Sozial- ,Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte sich erheblich von anderen Städten in Kurland unterschied. >1< Vom späten Mittel- alter bis weit in das 19. Jahrhundert war Libau das Tor, durch welches viele Einwanderer aus Deutschland in das Baltikum kamen und sich dort niederließen. >2<  Daher ist es verständlich, wenn Libau für deutschbaltische Genealogen von besonderem Interesse ist. So wurde vor einigen Jahren eine Arbeit des Genealo- gen Arthur Hoheisel unter dem Titel “Die Libauer Ratslinie von 1567 bis 1889” veröffentlicht. >3< 

Die Arbeit Hoheisels beginnt mit einem Überblick über die Verfassungs- geschichte Libaus. Dem folgen Biographien der Ratsverwandten. Der Verfasser dieser Zeilen, der mit dem leider inzwischen verstorbenen Arthur Hoheisel viele Jahre genealogische Forschungskontakte hatte und ihm dabei manchen wert- vollen Hinweis verdankte, hat sich nun entschlossen, diese Veröffentlichung Arthur Hoheisels zu ergänzen, und zwar aus folgenden Gründen:

Laut Quellenverzeichnis standen Arthur Hoheisel offensichtlich die für genealogische Forschungen unentbehrlichen Libauer Kirchenbücher nur teilweise zur Verfügung. Auch konnte Hoheisel für seine Arbeit - bedingt durch die Zeitumstände - weder das Lettische Historische Staatsarchiv in Riga noch das Archiv im Museum von Liepaja / Libau benutzen. Dem Verfasser dieser Zeilen war es nun möglich geworden, wenn auch zeitlich eng begrenzt, sowohl die in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig vorhandenen Filmkopien der Libauer Kirchenbücher als auch Archivalien im Staatsarchiv Riga und im Museum von Liepaja auszuwerten.   

Bei der Auswertung der Archivalien wurde immer deutlicher, daß nicht nur die Ratsherren, sondern auch die Stadtältesten der Großen (Kaufmanns-) Gilde in Libau von erheblicher, ja mitunter von entscheidender Bedeutung waren. Schon deshalb erschien es angebracht, die Untersuchung über den Rat hinaus auf alle Stadtältesten der Großen Gilde auszudehnen.

Für die folgende Untersuchung wurde die Zeit zwischen 1783 und 1817 gewählt, weil sich für diese Zeit im Lettischen Historischen Staatsarchiv in Riga  die Protokollbücher des Ältestenstandes der Libauer Großen Gilde befinden. Außerdem ist diese Zeit für die Geschichte Libaus bedeutungsvoll: 1795 wurde Kurland Teil des Russischen Reiches und damit des russischen Zoll- und Wirtschaftsgebietes, was für die wirtschaftliche Lage des in der Großen Gilde organisierten Kaufmannsstandes der See- und Handelsstadt Libau nachteilige Folgen hatte.

Die Stadtältesten der Großen (Kaufmanns-) Gilde zwischen 1783 und 1817 repräsentierten teilweise eine Generation aus der Zeit, in der Libau noch eine wirtschaftlich blühende Stadt im Herzogtum Kurland war. Ein anderer Teil dieser Kaufmannsbürger hingegen lebte und wirkte schon in einer Zeit wirt- schaftlichen Niedergangs, der in Libau mit dem Anschluß Kurlands an Rußland eingesetzt und durch den diese, vorher so attraktive Stadt an Anziehungskraft für Einwanderer aus Deutschland verloren hatte.

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>1<    Überblick über die Geschichte Libaus bis 1914 > www.libau-kurland-baltikum.de

>2<    Siehe Herbert Becker, Zur Genealogie deutsch-baltischer Kaufmannsfamilien in Kurland                (17.-19. Jahrhundert). In: Herold-Jahrbuch, N. F. 5 (2000), S. 9 ff.  

>3<    Arthur Hoheisel, Die Libauer Ratslinie von 1597 bis 1889. In: Baltische Ahnen- und
           Stammtafeln, Sonderheft 18, Köln 1998, S. 29 ff.
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